KONZERT- und EVENTFOTOGRAFIE
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COPPELIUS
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Tumult! (CD) 2009 - Gehörige Amplifikation Es herrscht ein heilloses Durcheinander. Irgendwo stürzt der überforderte Butler Bastille durch die Räumlichkeiten des coppelianischen Herrensitzes und versucht zerbrochene Cellobögen, durchgebissene Klarinettenblätter, herausgerissene Kontrabasssaiten und Splitter von Taktstöcken einzusammeln, stolpert dabei über geleerte Absinthflaschen und ein vom Tisch gefegtes Schachbrett. Vom weitläufigen Lustgarten des Sextetts hört man das dumpfe Knallen zweier Pistolen herüberschallen; ein weiteres Duell zwischen Max Coppella und Le Comte Caspar, die sich über die Vorzüge von Septime und großer Terz streiten. Ein ganz gewöhnlicher Tag im coppelianischen Schaffensprozess, dessen chaotische Energien allesamt auf der zweiten Langspielplatte "Tumult!" eingefangen und in fünfzehn galante Stücke gegossen wurden. Seit die Gentlemen nach jahrelangem Schweigen (denn eigentlich wurde die Formatio bereits 1791 gegründet) im Jahre 2002 bei einem Abschiedskonzert der Inchtabokatables für Aufsehen sorgten, hat sich an ihrem für heutige Maßstäbe ungewöhnlichen Instrumentarium und dem tugendhaften Auftreten in Gehröcken und mit wohlerzogenem Butler auf der Bühne nichts geändert. Noch immer stehen neben einem Schlagzeug ein Kontrabass, ein Cello und zwei Klarinetten, von den vierfachen stimmlichen Wohlergüssen einmal abgesehen. Doch was hier im ersten Augenblick, besinnliche Kammermusik vermuten lässt, entpuppt sich, wie die bereits erwähnte kreative Arbeitsweise andeutet, als zackiger, ungestümer Rock, bei dem so manchem Konzertbesucher bereits das Knuspergebäck aus der Hand oder der Tee ins Gesicht geblasen wurde. Von jungen, langhaarigen Menschen wird sogar behauptet, man könne die coppelianische Klangeskunst als Kammermusik-Metal bezeichnen. Wenn diese Verortung zwar wissenschaftlich noch nicht belegt ist und Max Coppella und Le Comte Caspar natürlich auch schon das ein oder andere Duell darüber ausgefochten haben, so muss man dennoch konstatieren, dass eine gewisse Nähe zum Metal vorhanden ist. So ist mit "Charlotte The Harlot" erneut ein Song aus dem Fundus von Iron Maiden auf der neuesten Scheibe vertreten. Wobei die Coppelianer nach eigener Aussage lediglich das Original neu servieren, das sie bereits zur Zeit der Uraufführung von Mozarts "Zauberflöte" in Grundzügen ersonnen hatten. Die dreisten Briten hätten sich das Stücklein klammheimlich einverleibt, in der Hoffnung, man habe die ursprünglichen Urheber längst vergessen. Ähnlich verhält es sich mit "Rightful King", das zuvor von den schon angeführten Inchtabokatables intoniert wurde und das hier ebenfalls in seiner ursprünglichen Fassung erscheint - übrigens eingesungen von einem nicht unbekannten Chanteur von Subway To Sally, weitläufig bekannt als Eric Fish. Max Coppella kommentiert diese Mitwirkung mit abgespreiztem Zeigfinger und erhobener Braue: "Ich war dagegen, dieses Stück aufzunehmen, da ich es nicht komponiert habe. Also mussten sich die anderen Herrschaften jemanden suchen, der es singen konnte." Worin sich die sechs Ehrenmänner jedoch ausnahmsweise einmal einig sind, ist der ausgiebige Einsatz der galvanischen Amplifikation, um die Tonwerkzeuge auf gehörige Amplituden zu treiben. Le Comte Caspar gibt einen triftigen Grund dafür an: "Jedermann folgt der neuesten Mode und gibt Konzerte ohne galvanische Amplifikation, ich glaube sie nennen das ‚unplugged'. Wir möchten uns dem entgegenstellen und frönen ausuferndst der Amplifikation von Kontrabass, Cello und Klarinetten!" Weniger einheitlich ist hingegen die Geschichte des Plattentitels, wie Graf Lindorf entrüstet zu Protokoll gibt: "Sie müssen wissen, dass das Werk eigentlich erst ‚Vier Saiten für ein Halleluja' und später dann ‚Die Kontraklarinette' heißen sollte. Bastille hatte bereits jedesmal schon ein wunderschönes Plakat und eine respektable CD-Hülle gemalt. Wäre da nicht die Sache mit dem entwendeten Zylinder dazwischen gekommen! Diese Respektlosigkeit! Tumult wird es geben!" Denn in der Tat hat ein ruchloses Individuum aus dem Auditorium bei einer der Darbietungen der Formation dem werten Grafen den Zylinder gemopst. Da eine Herausforderung zum Duell oder sofortiger Tod durch Erhängen aufgrund der Flüchtigkeit des Diebes außer Frage standen, blieb als einzige logische Konsequenz: "Tumult!"! So lässt sich auch die ehrgeizige und tüchtige coppelianische Arbeitsweise an diesem Zweitling erklären, die geladene musikalische Kraft, die in den einzelnen Stücken ruht und die sich bereits bei den ersten vernommenen Tönen entlädt. Man könnte geneigt sein, die Werke von Coppelius als brachiale Urgewalt im eleganten Gehrock zu bezeichnen oder als anspruchsvolle Tonästhetik mit mächtigem Arschtritt-Faktor. Das liegt im Ohre des Erlauschers. Doch genug der Worte: Vorhang auf für die einzigartigen und unerreichten Meister kammermusikalischer Wucht, die in drei Jahrhunderten oft kopiert aber niemals erreicht wurden. Ton ab, "Tumult!" an, denn Coppelius hilft! Peter Sailer Time-Zeit (CD) 2007 - Abrocken bei Teegebäck Wir schreiben das Jahr 1791 nach Christus Geburt. Mozarts Zauberflöte füllt das erste Mal einen Konzertsaal. Fünf illustre Gestalten wohnen diesem Spektakel gemeinsam bei - ein erster Kontakt, der Folgen haben soll. Denn in periodischen Abständen führt das Schicksal eben diese Herren immer wieder an historisch relevanten Orten zusammen, sei es bei der Hinrichtung König Ludwig XVI. oder dem Feldherrenhügel von Waterloo. Und immer wieder landet das Quintett nach einer angeregten Konversation bei Tee und Gebäck in einer grundsätzlichen Debatte über die Bedeutung der Dur-Terz in Harmonie mit besinnlichen Mollklängen. Zahlreiche akustische Tonversuche scheitern an gegenseitig beigebrachten Duellverletzungen oder kunsthemmenden, relevanten Weltereignissen. Erst als 1815 ein dauerhafter Stromschlag den Gentleman zu unerwarteter Lautstärke verhilft kann sich ihre mysteriöse Tonwerkzeugmischung aus zwei Klarinetten, Cello, Kontrabass und Schlagzeug behaupten und bläst so manche blaublütige Dame in der vordersten Sitzreihe in eine glückselige Ohnmacht, während das einfache Volk in manische Hysterie verfällt. Während einige technische Errungenschaften der modernen Unterhaltungswelt, wie die Schellackplatte oder Jahre später das Tonband, an den Herren vorüberziehen, schaffen sie es dennoch über Jahrzehnte hinweg auf den Bühnen des Berliner Nachtlebens mit unerhörten Klangunsittlichkeiten zu begeistern. Das erstmalige Verströmen von Rockmusik über die Radios der Welt Mitte des 20. Jahrhunderts können die musikalischen Kinskis nur müde belächeln, denn den Rock 'n' Roll haben sie bereits etliche Dekaden zuvor zelebriert. Doch erst heute ist die Musikwissenschaft in der Lage dem einzigartigen Klangbild Coppelius' Verständnis entgegen zu bringen und ihm einen treffenden Namen zu geben: Kammer-Core oder auch Kammer-Rock, wobei auch der Begriff des G-Rocks (eine moderne Kurzform für Genial-Rock) in der Diskussion ist - ein schelmischer Wink auf die traditionelle Bühnenbekleidung des Fünfers, der sich auf außerordentlich galante und gepflegte Weise dem Auditorium präsentiert. Natürlich darf auch der vornehme Bühnenbutler nicht fehlen, der den Schallkavalieren die Schweißperlen von der Stirn tupft oder hin und wieder ein Tässchen Tee zur Erfrischung reicht, denn die ästhetischen Darbietungen von Coppelius verlangen Körper und Geist der Musizierenden so einiges ab. Angesichts dieser Umstände, könnte sich der ein oder andere Neider dazu veranlasst fühlen, diese fünf Herren von Welt als altbacken oder, schlimmer noch, Klarinetten, Cello und Kontrabass als friedliebende Instrumente zu bezeichnen. Doch wer schon einmal eines der berühmtberüchtigten coppelianischen Klarinettensoli vernommen hat, in göttlich gefügter Einigkeit mit einem wogenden Kontrabass, kraftvoll schallendem Cello und pochendem Schlagwerk, der wird nicht nur eines Besseren belehrt, sondern auch musikalische Erleuchtung finden. Denn Coppelius hilft und das in allen Lagen des Lebens. Da ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich bereits Größen, wie Iron Maiden und Motörhead klangheimlich an den Kompositionen des Quintetts bedient haben und unverschämter Weise behaupten, diese Werke entsprängen ihren eigenen Federn. Doch die begnadeten Klanggenies präsentieren auf ihrer ersten Silberscheibe "Time - Zeit" endlich das lang erwartete Original von "Murders in the Rue Morgue", das bisher fälschlich als ein Werk der eisernen Maiden betrachtet wurde und in seiner ursprünglichen Coppelius-Fassung über Maßen rockt, so dass der Zylinder nur kurzweilig auf dem Haupte verbleiben kann. Aber auch die restlichen Tondichtungen ihres Erstlings lassen ein friedliches Lauschen nicht zu, sondern fordern auf beinahe schimpfliche Weise zu körperlicher Ertüchtigung auf - selbst der feinste Hausherr dürfte hier im Badezuber lauthals die mitreißenden Refrains trällern und schamlos mit der Nackenbürste das Luftcello kreisen lassen. Aber auch für die zart besaitete Damenwelt schütteln die Charmeure so manch liebreizende Melodei aus dem Ärmel, mit einem eleganten Chorus veredelt dessen Ohrwurmcharakter nur ein Werk des Teufels sein kann. Inhaltlich fühlt man sich selbstredend dem Namensgeber E.T.A. Hoffmann verpflichtet, aber es darf durchaus auch um die liebreizenden Nachwehen des Absinthkonsums gehen, die natürlich bereits im aufopferungsvollen Selbstexperiment ergründet wurden. Andernorts bringt man den Herren in Weiß eine Ode dar und besingt auf die vortrefflichste Art und Weise die menschliche Triebhaftigkeit - freilich sind Sarkasmus und Ironie stete Begleiter ihrer Poesie. Man könnte beinahe behaupten Coppelius verpfeife das Erbe der deutschen Romantik mit ihrer unverschämten, unsittlichen Art lauthals zu musizieren. Dem wiederum steht aber das glückselige Lächeln all derer gegenüber, die sich dem Opus der Zeitreisenden hingeben. Und erneut ist empirisch bewiesen: Coppelius hilft! Max Coppella - Klarinette/Gesang Comte Caspar - Klarinette/Gesang Graf Lindorf - Cello/Gesang Sissy Voss - Kontrabass Nobusama - Schlagzeug Bastille - Butler Quelle Text: von Coppelius |
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